Prophet Nuh: Der erste Gesandte und die grosse Flut
Die Geschichte von Prophet Noah (Nuh), sein 950-jahriger Aufruf zum Glauben, der Bau der Arche und die grosse Sintflut. Geduld und Standhaftigkeit im Glauben.
Prophet Nuh: Der erste Gesandte und die grosse Flut
"Wahrlich, Wir sandten Nuh zu seinem Volk, und er sagte: 'O mein Volk, dient Allah! Ihr habt keinen anderen Gott ausser Ihm.'" (7:59)
Fast tausend Jahre. Tag fur Tag, Nacht fur Nacht. Aufrufen, erklaren, einladen. Und doch: fast niemand glaubt.
Dies ist die Geschichte von Nuh. Der erste Gesandte. Der geduldigste Prophet.
Die Zeit vor Nuh
Zwischen Adam und Nuh vergingen zehn Generationen. In dieser Zeit lebten die Menschen im Tawhid. Aber nach und nach schlich sich der Gotzendienst ein.
Es begab sich so: Rechtschaffene Menschen starben. Die Leute vermissten sie. Zunachst machten sie Bilder von ihnen, um sich zu erinnern. Dann wurden diese Bilder zu Objekten der Verehrung. Schliesslich beteten spatere Generationen sie als Gotter an.
So entstanden die ersten Gotzen: Wadd, Suwa, Yaghuth, Ya'uq und Nasr.
Nuhs Berufung
In diese Dunkelheit hinein wurde Nuh gesandt. Seine Aufgabe: Die Menschen zum Tawhid zuruckrufen.
"Wahrlich, Wir sandten Nuh zu seinem Volk: 'Warne dein Volk, bevor eine schmerzhafte Strafe uber sie kommt.'" (71:1)
Nuh begann seine Aufgabe mit Hingabe:
"Er sagte: 'O mein Volk, wahrlich, ich bin fur euch ein deutlicher Warner. Dient Allah und furchtet Ihn und gehorcht mir. Er wird euch eure Sunden vergeben und euch Aufschub gewahren bis zu einer bestimmten Frist.'" (71:2-4)
950 Jahre Geduld
"Und Wir sandten Nuh zu seinem Volk. Da verweilte er unter ihnen tausend Jahre weniger funfzig." (29:14)
950 Jahre. Fast ein Jahrtausend. Stellt euch das vor:
Jeden Tag aufstehen und rufen. Erklaren, einladen, warnen. Und dann: Ablehnung, Spott, Drohungen.
Die Methoden Nuhs
Nuh versuchte alle moglichen Wege:
Offentlich und privat
"Er sagte: 'Mein Herr, wahrlich, ich habe mein Volk bei Nacht und bei Tag gerufen.'" (71:5)
"Dann habe ich sie offentlich gerufen. Dann habe ich es ihnen offen verkundigt und heimlich mit ihnen gesprochen." (71:8-9)
Mit Verstand und Gefuhl
Er zeigte auf die Zeichen in der Schopfung:
"Seht ihr nicht, wie Allah sieben Himmel in Schichten erschuf? Und den Mond darin zu einem Licht machte und die Sonne zu einer Leuchte machte?" (71:15-16)
"Und Allah hat euch aus der Erde wachsen lassen. Dann wird Er euch zu ihr zuruckkehren lassen und wird euch herausbringen." (71:17-18)
Mit Geduld und Sanftmut
Er drohte nicht, er lud ein. Er verfluchte nicht, er erklarte. Generation fur Generation, Jahrhundert fur Jahrhundert.
Die Reaktion des Volkes
Ablehnung
"Aber mein Rufen hat ihre Flucht nur vermehrt." (71:6)
Je mehr er rief, desto weiter entfernten sie sich.
Verachtung
"Die fuhrenden Unglaubigen aus seinem Volk sagten: 'Wir sehen in dir nur einen Menschen wie uns, und wir sehen, dass dir nur die Niedersten von uns folgen.'" (11:27)
Sie verachteten die armen Glaubigen. "Warum sind nur die Armen bei dir?"
Spott
"Jedes Mal, wenn die fuhrenden Vertreter seines Volkes an ihm vorubergingen, verspotteten sie ihn." (11:38)
Sie lachten uber ihn. "Ein alter Mann, der Schiffe im Trockenen baut."
Sturheit
"Und sie sagten: 'Verlasst eure Gotter nicht! Verlasst weder Wadd noch Suwa noch Yaghuth und Ya'uq und Nasr!'" (71:23)
Trotz aller Beweise hielten sie an ihren Gotzen fest.
Das Gebet Nuhs
Nach Jahrhunderten der Ablehnung wandte sich Nuh schliesslich an Allah:
"Er sagte: 'Mein Herr, wahrlich, ich habe mein Volk bei Nacht und bei Tag gerufen. Aber mein Rufen hat ihre Flucht nur vermehrt.'" (71:5-6)
"Und wahrlich, jedes Mal, wenn ich sie rief, damit Du ihnen vergibst, steckten sie ihre Finger in ihre Ohren und bedeckten sich mit ihren Kleidern und verharrten und waren hochmutig." (71:7)
Schliesslich:
"Und Nuh sagte: 'Mein Herr, lass keinen der Unglaubigen auf der Erde am Leben.'" (71:26)
Dies war keine Verfluchung aus Wut. Es war eine Feststellung nach 950 Jahren: "Sie werden keine Glaubigen mehr hervorbringen."
"Denn wahrlich, wenn Du sie lasst, werden sie Deine Diener in die Irre fuhren und nur Sittenlose und Unglaubige zeugen." (71:27)
Der Befehl zur Arche
Allah erhörte Nuhs Gebet und gab den Befehl:
"Und baue die Arche unter Unseren Augen und nach Unserer Offenbarung." (11:37)
Nuh begann den Bau. Mitten im Trockenen. Fern vom Meer.
"Und jedes Mal, wenn die fuhrenden Vertreter seines Volkes an ihm vorubergingen, verspotteten sie ihn. Er sagte: 'Wenn ihr uns verspottet, so werden wir euch verspotten, wie ihr uns verspottet.'" (11:38)
Die Arche
Ihre Eigenschaften
Der Koran nennt keine genauen Masse. Uberlieferungen beschreiben:
- 300 Ellen lang
- 50 Ellen breit
- 30 Ellen hoch
- Drei Stockwerke
Die Passagiere
"Bis Unser Befehl kam und der Ofen ubersprudelte. Da sagten Wir: 'Lade darin von jedem ein Paar und deine Familie — ausser denjenigen, gegen die das Wort bereits ergangen ist — und diejenigen, die glauben.'" (11:40)
Von jedem Tier ein Paar. Die Familie (ausser den Unglaubigen). Die wenigen Glaubigen.
"Aber es glaubten mit ihm nur wenige." (11:40)
Nach 950 Jahren: nur eine Handvoll Glaubiger.
Die grosse Flut
"Und es wurde gesagt: 'O Erde, verschlinge dein Wasser, und o Himmel, halte zuruck!' Und das Wasser verlief sich, und die Angelegenheit wurde entschieden, und sie setzte auf dem Judi nieder." (11:44)
Die Schleusen des Himmels offneten sich. Die Quellen der Erde sprudelten uber. Die Flut bedeckte alles.
Das Drama mit dem Sohn
Nuhs Sohn Kan'an (oder Yam) war kein Glaubiger. Als die Flut begann:
"Und Nuh rief seinem Sohn zu, der abseits stand: 'O mein lieber Sohn, steig mit uns ein und sei nicht mit den Unglaubigen!'" (11:42)
Die Antwort des Sohnes:
"Er sagte: 'Ich werde mich auf einen Berg fluchten, der mich vor dem Wasser schutzen wird.'" (11:43)
Nuhs verzweifelte Antwort:
"Er sagte: 'Heute gibt es keinen Schutz vor dem Befehl Allahs ausser fur den, dem Er sich erbarmt.' Und die Wellen kamen zwischen sie, und er gehorte zu den Ertrunkenen." (11:43)
Nuhs Schmerz
Nach der Flut wandte sich Nuh an Allah:
"Und Nuh rief seinen Herrn an und sagte: 'Mein Herr, mein Sohn gehört zu meiner Familie, und Dein Versprechen ist wahr, und Du bist der gerechteste der Richter.'" (11:45)
Allahs Antwort:
"Er sagte: 'O Nuh, er gehört nicht zu deiner Familie. Es ist eine Tat, die nicht rechtschaffen ist. So frage Mich nicht nach dem, wovon du kein Wissen hast. Ich ermahne dich, damit du nicht zu den Unwissenden gehorst.'" (11:46)
Eine schmerzhafte Lektion: Blutsverwandtschaft rettet nicht. Der Glaube ist die wahre Familie.
Nach der Flut
"Und es wurde gesagt: 'O Nuh, steig aus mit Frieden von Uns und Segnungen auf dich und auf Gemeinden von denen, die mit dir sind.'" (11:48)
Die Arche landete auf dem Berg Judi. Eine neue Menschheit begann. Alle Menschen heute stammen von Nuhs Nachkommen ab.
Die Lehren aus Nuhs Geschichte
1. Geduld bei der Einladung
950 Jahre ohne aufzugeben. Das ist Geduld. Bei der Einladung zum Glauben zahlt nicht das Ergebnis, sondern die Bemuhung.
2. Verschiedene Methoden anwenden
Nuh probierte alles: offentlich, privat, bei Nacht, bei Tag, mit Verstand, mit Gefuhl. Die Methode kann sich andern, die Botschaft bleibt.
3. Qualitat, nicht Quantitat
Nach 950 Jahren: nur eine Handvoll Glaubiger. Aber diese wenigen waren genug fur einen Neuanfang. Der Wert liegt nicht in der Zahl.
4. Blutsverwandtschaft rettet nicht
Nuhs Sohn und Nuhs Frau waren Unglaubige. Die Blutsverwandtschaft rettete sie nicht. Der Glaube bestimmt die Zugehorigkeit.
5. Allahs Hilfe kommt
Nachdem Nuh alles getan hatte, kam die Hilfe. Die Arche, die Flut, die Rettung. Wer seine Pflicht erfullt, wird nicht allein gelassen.
Nuhs Dua
Eines der schonsten Duas des Korans kommt von Nuh:
"Mein Herr, vergib mir und meinen Eltern und demjenigen, der mein Haus als Glaubiger betritt, und den glaubigen Mannern und den glaubigen Frauen. Und vermehre den Ungerechten nur den Untergang." (71:28)
Ein Gebet inspiriert von Nuh
"O Allah, Du hast Nuh neunhundertfunfzig Jahre lang rufen lassen.
Gib mir diese Geduld. Gib mir diese Standhaftigkeit. Gib mir diese Hingabe.
Wenn ich nicht erhört werde, lass mich nicht verzweifeln wie Nuh nicht verzweifelte.
Und wenn die Fluten meines Lebens kommen, sei Du meine Arche. Sei Du meine Rettung.
Amin."
Fazit: Die Arche bauen
Nuh baute die Arche, wahrend sie ihn verspotteten. Im Trockenen. Ohne Wasser in Sicht.
Aber als die Flut kam, war er bereit.
Auch wir bauen jeden Tag unsere Arche. Durch Glauben, durch Gebet, durch gute Taten. Die Fluten des Lebens kommen. Die Frage ist: Ist unsere Arche bereit?
"Steig ein im Namen Allahs, bei seinem Fahren und seinem Anhalten." (11:41)
Im Namen Allahs beginnen. Auf Allah vertrauen. Und wenn die Fluten kommen — auf der Arche sein.
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Häufig gestellte Fragen
Wie lange rief Nuh sein Volk zum Glauben?
950 Jahre lang. Der Koran sagt: 'Und Wir sandten Nuh zu seinem Volk. Da verweilte er unter ihnen tausend Jahre weniger funfzig.' (29:14) Fast ein Jahrtausend Geduld und Ausdauer.
Warum glaubte Nuhs Volk nicht?
Sie waren an ihre Gotzen gebunden, vertrauten auf Tradition, folgten den Fuhrern blind, und die Reichen verachteten die armen Glaubigen. Hochmut und Sturheit verhinderten den Glauben.
Was geschah mit Nuhs Sohn?
Sein Sohn Kan'an (oder Yam) weigerte sich zu glauben und sagte: 'Ich werde mich auf einen Berg fluchten.' Er ertrank in der Flut. Die Blutsverwandtschaft rettet nicht ohne Glauben.
Wie gross war die Arche?
Der Koran nennt keine genauen Masse. Uberlieferungen sprechen von 300 Ellen Lange, 50 Ellen Breite, 30 Ellen Hohe. Drei Stockwerke. Gross genug fur je ein Paar aller Tierarten.
Was lehrt uns Nuhs Geschichte?
Geduld bei der Einladung zum Glauben, Standhaftigkeit trotz Ablehnung, Vertrauen auf Allah auch wenn niemand glaubt, dass Blutsverwandtschaft ohne Glauben nicht rettet, und dass Allahs Hilfe zur rechten Zeit kommt.