Isra und Miraj: Die Nachtreise und Himmelfahrt
Die Geschichte der Nachtreise des Propheten Muhammad von Mekka nach Jerusalem und seiner Himmelfahrt. Die spirituelle Bedeutung und die Lehren dieser wundersamen Reise.
Isra und Miraj: Die Nachtreise und Himmelfahrt
"Gepriesen sei Der, Der Seinen Diener nachts von der heiligen Moschee zur fernsten Moschee fuhrte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm von Unseren Zeichen zu zeigen. Wahrlich, Er ist der Allhorende, der Allsehende." (17:1)
In einer einzigen Nacht: Von Mekka nach Jerusalem. Von der Erde durch die sieben Himmel. Vor den Thron Allahs. Eine Reise jenseits von Zeit und Raum.
Dies ist die Geschichte von Isra und Miraj.
Der Kontext
Das Jahr der Trauer lag hinter dem Propheten. Khadija, seine geliebte Frau, war gestorben. Abu Talib, sein Beschutzer, war gestorben. In Ta'if wurde er mit Steinen beworfen. Die Botschaft fand kaum Gehor.
In dieser dunklen Zeit kam die Erhellung: Isra und Miraj.
Isra: Die Nachtreise
Der Beginn
Der Prophet war in der Nahe der Kaaba, als Jibril kam. Mit ihm war Buraq, ein weisses Reittier, grosser als ein Esel, kleiner als ein Maultier. Es setzte seinen Huf an die Grenze des Blicks.
"Ich wurde zum Buraq gebracht, und ich bestieg es. Es ging mit mir, bis wir Jerusalem erreichten." (Muslim)
Die Al-Aqsa-Moschee
In Jerusalem betete der Prophet alle Propheten. Er war ihr Imam. Adam, Ibrahim, Musa, Isa â alle standen hinter ihm.
Dies symbolisierte: Muhammad ist das Siegel der Propheten. Alle Propheten fuhrten zu ihm.
Die Bedeutung
Jerusalem wurde damit zur dritten heiligen Statte des Islam. Die erste Qibla. Der Ort der Prophetengemeinschaft.
Miraj: Die Himmelfahrt
Der Aufstieg
Von Jerusalem stieg der Prophet durch die Himmel auf. Jibril fuhrte ihn.
"Dann wurde ich in den Himmel gefuhrt." (Bukhari, Muslim)
Der erste Himmel
Im ersten Himmel: Adam.
"Als ich an ihm voruberging, sagte er: 'Willkommen, rechtschaffener Sohn und rechtschaffener Prophet.'" (Bukhari)
Adam sah nach rechts und lachte â er sah die Seelen seiner Nachkommen im Paradies. Er sah nach links und weinte â er sah die Seelen im Feuer.
Der zweite Himmel
Isa (Jesus) und Yahya (Johannes), Cousins. Beide begrussten den Propheten als Bruder.
Der dritte Himmel
Yusuf (Joseph), dem die Halfte aller Schonheit gegeben wurde. Er begrusste den Propheten.
Der vierte Himmel
Idris (Henoch), der erhoben wurde. "Und Wir erhoben ihn zu einem hohen Rang." (19:57)
Der funfte Himmel
Harun (Aaron), der geliebte Bruder des Musa.
Der sechste Himmel
Musa (Moses). Er weinte, als der Prophet weiterging. Warum? Weil aus der Ummah Muhammads mehr ins Paradies eingehen werden als aus seiner Ummah.
Der siebte Himmel
Ibrahim (Abraham), der Vater der Propheten. Er sass, an das Bayt al-Ma'mur gelehnt â das Haus im Himmel, das taglich von 70.000 Engeln besucht wird, die nie zuruckkehren.
"Ich sah Ibrahim, und er glich mir am meisten." (Bukhari)
Sidrat ul-Muntaha
Dann erreichte der Prophet Sidrat ul-Muntaha â den Lotusbaum an der aussersten Grenze. Kein Geschopf geht daruber hinaus.
"Als ihn bedeckte, was ihn bedeckte. Der Blick schweifte nicht ab und uberschritt nicht das Mass." (53:16-17)
Vor dem Thron Allahs
Der Prophet wurde vor Allah gefuhrt. Was dort geschah, bleibt zum Teil verborgen. Aber eines ist sicher: Dort wurde das Gebet zur Pflicht.
Das Geschenk: Das Gebet
Funfzig Gebete
Zunachst wurden funfzig Gebete pro Tag zur Pflicht.
Musas Rat
Auf dem Ruckweg traf der Prophet Musa. Musa sagte: "Deine Ummah wird das nicht schaffen. Ich habe Erfahrung mit Bani Isra'il. Geh zuruck und bitte um Erleichterung."
Der Prophet ging zuruck. Die Gebete wurden auf vierzig reduziert. Musa wiederholte seinen Rat. Wieder und wieder ging der Prophet zuruck.
Funf Gebete
Schliesslich blieben funf Gebete. Musa sagte noch immer: "Geh zuruck." Aber der Prophet sagte: "Ich schame mich, mehr zu bitten."
Dann kam die Ankundigung Allahs: "Mein Wort andert sich nicht. Es sind funf Gebete, aber im Lohn wie funfzig. Wer ein gutes Werk beabsichtigt und es nicht tut, wird dafur belohnt. Wer es tut, wird zehnfach belohnt."
Die Ruckkehr
In derselben Nacht kehrte der Prophet nach Mekka zuruck. Am Morgen erzahlte er, was geschehen war.
Die Reaktion
Die Quraysh spotteten. Einige, die schwach im Glauben waren, fielen ab.
Abu Jahl fragte Abu Bakr hohnisch: "Dein Freund behauptet, letzte Nacht nach Jerusalem gereist zu sein und zuruckgekehrt!"
Abu Bakrs Antwort: "Wenn er das sagt, dann ist es wahr."
Deshalb wurde Abu Bakr As-Siddiq genannt â der Wahrheitsbestaatiger.
Der Beweis
Die Quraysh fragten den Propheten nach Details uber Jerusalem. Er hatte es vorher nie gesehen. Aber Allah zeigte es ihm, und er beschrieb es perfekt.
Sie fragten nach ihren Karawanen. Der Prophet beschrieb sie und wann sie ankommen wurden. Es stimmte.
Die Lehren von Isra und Miraj
1. Nach der Dunkelheit kommt Licht
In der schwersten Zeit des Propheten kam diese Erhellung. Trost kommt nach der Prufung.
2. Die Einheit der Propheten
Alle Propheten beteten hinter Muhammad. Eine Botschaft, verschiedene Boten. Der Islam ist keine neue Religion â er ist die Vollendung.
3. Die Bedeutung des Gebets
Das Gebet wurde direkt befohlen, ohne Vermittler. Es ist die Verbindung zwischen Diener und Herrn. Das einzige Gebot, das im Himmel gegeben wurde.
4. Die Grenzen des Wissens
Selbst Jibril konnte nicht uber Sidrat ul-Muntaha hinaus. Es gibt Bereiche, die nur Allah kennt.
5. Allahs Barmherzigkeit
Funfzig wurden zu funf, aber der Lohn bleibt wie funfzig. Das ist Allahs Grosszugigkeit.
6. Der Glaube uber den Verstand
Abu Bakr glaubte, ohne zu fragen. Der Glaube geht manchmal uber das rational Erklarbare hinaus.
Fragen und Antworten
War es korperlich oder geistig?
Die meisten Gelehrten sagen: korperlich. Der Koran sagt "mit Seinem Diener" (bi-abdihi), nicht nur "mit seiner Seele". Der Spott der Quraysh ware sinnlos gewesen, wenn es nur ein Traum war.
Warum Jerusalem?
Um die Verbindung zu den fruheren Propheten zu zeigen. Um die dritte heilige Statte zu etablieren. Um die Ummah mit der Geschichte zu verbinden.
Warum nachts?
"Gepriesen sei Der, Der Seinen Diener nachts fuhrte..." Die Nacht ist die Zeit der Stille, der Nahe, des Geheimnisses.
Ein Gebet inspiriert von Miraj
"O Allah, Du hast Deinen Propheten durch die Himmel gefuhrt. Fuhre auch mich â durch die Himmel meines Herzens. Lass mich aufsteigen von der Dunkelheit zum Licht. Lass mich Dir naherkommen, Stufe um Stufe.
O Allah, das Gebet wurde uber den Himmeln zur Pflicht. Lass mich jedes Gebet beten, als stunde ich vor Dir. Lass das Gebet mein Miraj sein, funfmal am Tag.
O Allah, als alles dunkel war, erleuchtetest Du Deinen Propheten. Wenn alles dunkel wird in meinem Leben, erleuchte auch mich.
Amin."
Wie wir Isra und Miraj gedenken
Der 27. Rajab
In vielen Kulturen wird der 27. Rajab als die Nacht von Isra und Miraj begangen. Es ist ein Anlass zum:
- Gedenken an dieses Wunder
- Verstarkten Gebet und Dua
- Nachdenken uber die Bedeutung des Gebets
- Dankbarkeit fur das Geschenk des Islam
Das ganze Jahr
Aber wir sollten nicht nur einmal im Jahr gedenken:
- Jedes Gebet ist eine Erinnerung an Miraj
- Jede Qibla-Ausrichtung erinnert an Jerusalem
- Jede Niederwerfung verbindet uns mit allen Propheten
Im Gebet selbst
Der Prophet sagte: "Das Gebet ist die Miraj des Glaubigen."
In jedem Gebet:
- Wir stehen vor Allah
- Wir verlassen die Welt
- Wir erheben uns spirituell
- Wir empfangen von Allah
Das Gebet ist unsere tagliche Miraj â funfmal am Tag.
Fazit: Die Botschaft von Isra und Miraj
In der dunkelsten Stunde kam das hellste Licht.
Als der Prophet am tiefsten Punkt war â der Verlust von Khadija und Abu Talib, die Ablehnung in Ta'if â kam die Reise durch die Himmel.
Was ist die Botschaft?
- Nach der Dunkelheit kommt Licht â Verliere nie die Hoffnung
- Das Gebet ist die Verbindung â Es wurde uber den Himmeln gegeben
- Alle Propheten sind eine Familie â Der Islam vollendet sie alle
- Nichts ist unmöglich bei Allah â Was fur Menschen absurd ist, ist fur Allah leicht
- Der Glaube geht uber den Verstand â Wie Abu Bakr sagte: "Wenn er es sagt, ist es wahr"
In dieser Erinnerung finden wir Trost, Hoffnung und die Kraft, weiterzugehen â egal wie dunkel die Nacht ist.
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HĂ€ufig gestellte Fragen
Was ist Isra?
Isra ist die nachtliche Reise des Propheten Muhammad von der Al-Haram-Moschee in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Sie fand in einer einzigen Nacht statt und war ein Wunder Allahs.
Was ist Miraj?
Miraj ist die Himmelfahrt des Propheten von Jerusalem durch die sieben Himmel bis vor den Thron Allahs. Dort wurde das funfmalige Gebet zur Pflicht gemacht.
Wann fand Isra und Miraj statt?
Es fand im Jahr vor der Auswanderung nach Medina statt, etwa ein Jahr nach dem 'Jahr der Trauer', in dem Khadija und Abu Talib starben. Das genaue Datum ist umstritten, aber der 27. Rajab wird oft genannt.
Welche Propheten traf Muhammad in den Himmeln?
Im ersten Himmel Adam, im zweiten Isa und Yahya, im dritten Yusuf, im vierten Idris, im funften Harun, im sechsten Musa, im siebten Ibrahim. Alle begrussten ihn als Bruder und Propheten.
Warum ist Al-Aqsa so wichtig?
Al-Aqsa war die erste Gebetsrichtung (Qibla) der Muslime. Dort betete der Prophet alle Propheten. Es ist die dritthoiligste Statte im Islam nach der Kaaba und der Prophetenmoschee.